Die Bekanntgabe der Abrechnungsergebnisse des ersten Quartals für die niedergelassenen Nervenärzte, Neurologen und Psychiater durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) beurteilen die neurologischen und psychiatrischen Berufsverbände grundsätzlich positiv, sehen das Grundproblem einer nicht ausreichenden Finanzierung für die Behandlung ihrer Patienten jedoch weiterhin als nicht gelöst an. „Es ist ein positives Signal für die neurologische und psychiatrische Versorgung, das wir heute aus Berlin hören", so der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN), Dr. Frank Bergmann aus Aachen. Einen so deutlichen Trend hatten wir nach den Enttäuschungen der letzten Jahre nicht erwartet." Seit mehr als zehn Jahren - so die Ergebnisse eines Gutachten des Forschungsinstituts IGES aus dem Jahr 2007 - war die Fachgruppe mit ständig sinkenden Umsätzen von der Honorarentwicklung der restlichen Arztgruppen abgekoppelt worden. Dies hat zu einer bedrohlichen Unterversorgung bei Erkrankungen des Zentralnervensystems geführt, die mittlerweile rund ein Drittel aller Erkrankungen ausmachen.
Grundproblem noch nicht gelöst
„Das jetzige Abrechnungsergebnis zeigt eine beginnende Trendumkehr in der Honorarverteilung zwischen den Fachgruppen. Die zunehmende Bedeutung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen und die Tragweite einer zunehmenden Unterversorgung der Patienten scheinen jetzt auch bei den Verantwortlichen in den Kassenärztlichen Vereinigungen stärker ins Bewusstsein zu rücken", erklärt Bergmann, "Die Strategie der Berufsverbände für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen in guter und enger Kooperation mit der KBV erweist sich als richtig. Gleichwohl ist das Grundproblem der Unterfinanzierung für die Behandlung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen damit aber noch nicht gelöst.
Auch unter den verbesserten Bedingungen gibt es für rund ein Drittel der Leistungen in der Neurologie und Psychiatrie weiterhin keine Finanzierung." Ein weiteres Problem: Nach Schätzungen profitieren etwa 25 Prozent der Fachgruppe gar nicht von den verbesserten Bedingungen. Diese Ärztinnen und Ärzte müssen sich fragen, warum ihre Arbeit plötzlich noch weniger wert ist. Auch gibt es erhebliche und kaum noch vermittelbare Differenzen zwischen den Bundesländern.
Diskussion über „Gewinner" der Honorarreform eher zynisch
Auch für den Vorsitzenden der Neurologenverbandes (BDN), Dr. Uwe Meier, sind die Probleme nach wie vor nicht gelöst: „Viele große, mit modernsten medizinischen Geräten ausgestattete neurologische Praxen können aufgrund der neuen Honorarverteilung trotz hochqualifizierter Arbeit sogar frühere Umsätze nicht erreichen. Sie erleben die derzeitige Diskussion über „Gewinner" der Honorarreform eher zynisch." Nach wie vor problematisch sind die so genannten Regelleistungsvolumina (RLV) als Grundlage der Vergütung. Es handelt sich dabei um Pauschalen, die „leistungsfeindlich" sind, den tatsächlichen ärztlichen Aufwand nicht berücksichtigen und vor allem diejenigen Ärzte benachteiligen, die z. B. aufwändige Diagnostik am Patienten vornehmen. Bei den psychiatrischen Leistungen war es erst kürzlich gelungen, Gesprächsleistungen aus der Pauschale herauszunehmen und gesondert zu honorieren. „Trotzdem kann bei einer verbleibenden Pauschale von rund 20 Euro und etwa 13 Euro für ein mindestens zehnminütiges Gespräch keine rechte Freude darüber bei den Psychiatern und Nervenärzten aufkommen", sind sich Bergmann und Christa Roth-Sackenheim, die Vorsitzende des Psychiaterverbandes (BVDP) einig. Die Berufsverbände wollen nun die Ankündigungen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) sorgsam überprüfen. Skepsis und Sorge bleibt in jedem Fall im Hinblick auf die nächsten Quartale. Für sie waren nämlich bereits deutlich niedrigere Pauschalen angekündigt worden.






