Berlin, 17.09.09. Strukturfragen der Gesundheitspolitik werden im Wahlkampf gröblich vernachlässigt. Dies kann zu gravierenden Fehlentwicklungen führen. Schon die Gesundheitspolitik der letzten Jahre war von massiven Defiziten und Ideologien geprägt.
So wie in der Bevölkerung wird es auch bei den Ärzten einen ernst zu nehmenden demographischen Faktor geben. Die heute schon sichtbare Überalterung mancher Fachgruppen wird zu einer Mangelversorgung in der Zukunft führen.
Dieser Faktor wird dadurch verschärft, dass jedes Jahr 3000 überwiegend junge Ärzte Deutschland verlassen, weil sie anderswo bessere Arbeitsbedingungen vorfinden und dass 20% der Absolventen nicht in den ärztlichen Beruf gehen (bei 300000 € Ausbildungskosten). Neben vielfach nicht mehr besetzbaren Arztsitzen sind auch 4000 Arztstellen in Kliniken nicht besetzt. Dies wird in Zukunft die fachärztliche Versorgung besonders betreffen.
Eine der Ursachen für die zurückgehende Motivation, in Deutschland Arzt sein zu wollen, liegt sicher in der mangelnden Wertschätzung unseres Berufsstandes durch die Politik in den letzten Jahren und der oft lauthals verkündeten Ideologie, die fachärztliche Versorgung an Krankenhäuser zu verlagern mit der Folge die bewährte, wohnortnahe, flächendeckende, fachärztliche Versorgung zu zerstören, obwohl diese Art der Versorgung zur Überlegenheit ärztlicher Versorgung in Deutschland beiträgt und im Interesse aller Versicherten liegt. Außerdem belegen die Zahlen über nicht besetzte ärztliche Krankenhausstellen, dass die Krankenhäuser kaum die stationäre Versorgung bewältigen können geschweige denn eine zusätzliche ambulante fachärztliche.
Die immer weiter um sich greifende Ökonomisierung des Gesundheitswesens ebenso wie die häufigen Diffamierungen von Ärzten zerstört das gewachsene Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient: Gesundheit ist keine Ware und Ärzte sind ebenso wenig "Leistungserbringer" wie Patienten "Kunden".
Das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis (das Ärzte natürlich auch rechtfertigen müssen) muss deshalb wieder in den Mittelpunkt der Gesundheitspolitik rücken. Das Wesen des Freien Berufes mit ärztlicher Therapiefreiheit und Weisungsungebundenheit in selbständiger ebenso wie in Angestelltentätigkeit ist von zentraler Bedeutung für die Identität des Arztberufes und sichert den Erhalt und die Entwicklung von Vertrauen und Verantwortung in der ärztlichen Versorgung.
Die Besonderheiten des deutschen Gesundheitswesens machen es im internationalen Vergleich zu einem der leistungsfähigsten und patientenfreundlichsten Versorgungssysteme.
Zu den Stärken und Besonderheiten zählen:
- Freie Arzt- und Krankenhauswahl
- Die Koexistenz von gesetzlicher und privater Krankenversicherung
- Eine wohnortnahe, flächendeckende fachärztliche Versorgung mit kurzen Wartezeiten
- Der Freie Beruf des Arztes.
Die Erhaltung und Stärkung dieser Besonderheiten ist auch künftig unverzichtbar und könnte sogar zu einem Modell für Europa werden.
Die Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände ist die Dachorganisation der fachärztlichen Berufsverbände. Sie repräsentiert über 100.000 Mitglieder der angeschlossenen Verbände und ist die größte freie ärztliche Standesvertretung in Deutschland außerhalb der Körperschaften.
Die GFB vertritt sowohl angestellte Klinikärzte wie Niedergelassene. Damit erfüllt sie das Mandat einer globalen gesundheitspolitischen Vertretung fachärztlicher Interessen. Die GFB ist bei der Bundesärztekammer und der KBV aktiv und Gründungsmitglied der Allianz Deutscher Ärzteverbände. Ferner vertritt die GFB Deutschland bei der Europäischen Facharztorganisation UEMS und stellt dort ein Mitglied des Vorstands.
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Dr. med. Herbert Menzel
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